2. bis 18. Oktober 2026

Einst war ich älter

Johannes Heisig im Dialog mit Wolfgang Hilbig

Die Ausstellung widmet sich der künstlerischen Auseinandersetzung des Malers und Grafikers Johannes Heisig (*1953) mit dem Werk des Schriftstellers Wolfgang Hilbig (1941–2007).

Obwohl sich beide nie persönlich begegnet sind, verbindet sie die Prägung durch die DDR und die deutsch-deutsche Geschichte, die ihre Beschäftigung mit Herkunft, Erinnerung und gesellschaftlichem Wandel nachhaltig bestimmt hat. Aus Hilbigs literarischen Themen und Atmosphären entwickelt Heisig eine eigenständige Bildsprache, die existenzielle Fragen und historische Erfahrungen aufgreift, ohne die Texte zu illustrieren.

Neben bekannten Werkgruppen präsentiert die Schau erstmals eine eigens für das Projekt entstandene neue Serie von Johannes Heisig. Bücher, dokumentarisches Material sowie Audio- und Filmaufnahmen eröffnen zudem weitere Perspektiven auf das Schaffen beider Künstler und das Zusammenspiel von Literatur und bildender Kunst. Im Kontext der Frankfurter Buchmesse wird die Ausstellung durch ein vielfältiges Begleitprogramm ergänzt.

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Für die Ausstellung gilt ein besonderes Eintrittsmodell: Statt eines festen Eintrittspreises bestimmen Sie selbst, wie viel Sie für Ihren Besuch bezahlen möchten.

Bildnachweis: Johannes Heisig: Abfahrt – Blatt 1, 1995, DIE GALERIE, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026; Foto: Lars Wiedemann

Katalog
Einst war ich älter · Once I Was Older
Johannes Heisig im Dialog mit Wolfgang Hilbig

Der von DIE GALERIE, Frankfurt am Main, herausgegebene Katalog zur Ausstellung im MGGU dokumentiert erstmals umfassend Johannes Heisigs künstlerische Auseinandersetzung mit Wolfgang Hilbig. Drei Werkzyklen aus den Jahren 1995, 2021 und 2026 zeigen die Entwicklung von der Kohlezeichnung bis zu Malerei, Zeichnung und Collage. Texte von Michael Opitz, Johannes Heisig, Prof. Dr. Enrico Schleiff und Peter Femfert ergänzen die Publikation.

2026 · 22 × 22 cm · 96 Seiten · Deutsch/Englisch · Hardcover
Verkaufspreis: 26 € an der Museumskasse
Der Katalog ist über DIE GALERIE, Frankfurt am Main, direkt bestellbar und wird auch über den Buchhandel erhältlich sein.

Ausstellungsrundgang

Prolog

Johannes Heisig und Wolfgang Hilbig sind sich nie persönlich begegnet. Ein künstlerischer Dialog entstand dennoch: Seit den 1990er-Jahren setzt sich Johannes Heisig (*1953) mit den Texten Wolfgang Hilbigs (1941 2007) auseinander. Zum 85. Geburtstag des Autors rückt die Ausstellung das Zusammenspiel von Literatur und bildender Kunst ins Zentrum und präsentiert eine eigens hierfür entstandene Werkserie Heisigs.

Beide Künstler sind – auf unterschiedliche Weise – durch die DDR und die deutsch-deutsche Geschichte geprägt. Herkunft, Erinnerung und gesellschaftlicher Wandel ziehen sich als zentrale Themen durch ihre Werke. Gemeinsam ist ihnen zudem ein genauer Blick auf ihre Zeit sowie auf die Widersprüche menschlichen Handelns.

Wolfgang Hilbig erhielt 2002 den Georg-Büchner-Preis. In seiner Lyrik und Prosa verarbeitete er – ausgehend von eigenen Erfahrungen – immer wieder die Lebenswirklichkeit der DDR und deren Folgen. Johannes Heisig schafft als Maler, Zeichner und Grafiker expressive, figurative Werke. Er ist renommierter Chronist des Zeitgeschehens und gefragter Porträt-, Landschafts- und Stilllebenmaler.

Hilbigs Texte dienen ihm nicht als illustrative oder anekdotische Vorlagen, sondern als stofflich-atmosphärische Anregungen. Literarische Themen und Stimmungen sowie persönliche Assoziationen übersetzt er in eine eigenständige expressive Bildsprache. Im Spannungsfeld von Konkretheit und Metapher werden seine Arbeiten zu Reflexionen existenzieller Situationen und Erfahrungen zwischen äußerer Realität und innerem Erleben, Erinnerung und Gegenwart. Sie eröffnen jedoch keine eindeutigen Lesarten, sondern beziehen die Betrachtenden in einen offenen Prozess von Wahrnehmung und Deutung ein.

Der Rundgang folgt zwei miteinander verschränkten Erzählsträngen: Chronologisch zeichnet er Heisigs Annäherung an Hilbig von früheren Werkgruppen bis zur jüngsten Serie nach. Zugleich macht er wieder kehrende Motive und Themen sichtbar. Bücher, dokumentarisches Material sowie Audio- und Filmaufnahmen bieten zusätzliche Perspektiven auf das Schaffen beider Künstler und auf das Verhältnis von Text und Bild.

Darüber hinaus verankert die Ausstellung Hilbigs Werk im Frankfurter Kontext: Seine Poetikvorlesungen an der Goethe-Universität im Sommersemester 1995, sein langjähriger Verlag S. Fischer sowie die Buchmesse bilden Anknüpfungspunkte zwischen Literatur, Universität, Stadt und Region. So stellt die Schau eine Verbindung zwischen Heisigs künstlerischem Dialog mit Hilbig und einem Ort her, der auch für dessen literarische Biografie zwischen Ost- und Westdeutschland von Bedeutung ist.

Kapitel 1: Herkunft und Erinnerung

Das Aufwachsen in der DDR und die von Braunkohle und Industrie geformten Landschaften Mitteldeutschlands bilden Bezugspunkte für Heisigs künstlerische Annäherung an Wolfgang Hilbig. Hilbig, 1941 in Meuselwitz im sächsisch-thüringischen Braunkohle revier geboren, stammte aus einer Arbeiterfamilie – sein Großvater war Bergmann. Industrieanlagen, Bahnhöfe und die von Kohle und Asche gezeichnete Umgebung wurden zu prägenden Orten, an denen sich persönliche Erinnerung und gesellschaftliche Wirklichkeit überlagerten. Hilbig selbst arbeitete über viele Jahre als Heizer und Kesselwärter. Das Kesselhaus wurde für ihn zum Rückzugsort und bot ihm zugleich Raum zum Schreiben.

Johannes Heisig, Jahrgang 1953, wuchs in Leipzig in einer Künstlerfamilie auf. Trotz des anderen sozialen Umfelds erkannte er in Hilbigs Texten ein vertrautes Lebensgefühl.

Mit der 1995 entstandenen Serie Abfahrt begann seine bildnerische Auseinandersetzung mit dessen Werk. Die acht Kohlezeichnungen – sieben davon sind hier zu sehen – greifen Motive und atmosphärische Verdichtungen der Texte auf. Im Mittelpunkt steht das Zugfenster – teils nur zu erahnen. Als konkretes Bildelement und zugleich als Metapher verweist es auf Abgrenzung und Distanz, ebenso auf Übergang, Fremdheit und Ungewissheit. Im Erfahrungshorizont der DDR lässt sich darin auch die Spannung zwischen Aufbruch und Begrenzung, Bewegung und eingeschränkter Reisefreiheit mitdenken. So entstehen Bildräume, in denen biografische Erinnerung und existenzielle Erfahrung ineinandergreifen. Die Kohle ist dabei mehr als ein Zeichenmittel: Sie gehörte zu Hilbigs Arbeitswelt; ihr tiefes Schwarz verstärkt die beklemmende Stimmung der Blätter.

Dietrich Oltmanns’ 1983 entstandene Fotoserie über Hilbig und Meuselwitz sowie Ede Müllers Filmessay Dieser Herr C. aus der Stadt M. erweitern den Blick auf Hilbigs Herkunft und jene Orte und Milieus, die sein Schreiben geprägt haben.

Kapitel 2: Innenwelten und DDR-Vergangenheit

Mit der Werkgruppe Bilder vom Erzählen (2020/21) vertiefte Johannes Heisig seine Beschäftigung mit Wolfgang Hilbig. Viele der 15 Blätter beziehen sich auf Hilbigs 1993 erschienenen Roman Ich, dessen Erzähler M. W. unter dem Decknamen Cambert als angehender Schriftsteller und Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit zwischen Kontrolle und Anpassung gerät.

Hilbig wurde selbst von der Staatssicherheit überwacht und verhört. Der Roman zielt jedoch weniger auf historische Rekonstruktion oder moralische Abrechnung als auf die inneren Folgen eines Systems, in dem Beobachten und Beobachtetwerden sowie Nähe und Misstrauen mit einander verwoben sind. Indem M. W. zugleich beobachtet, berichtet und selbst kontrolliert wird, verliert er zunehmend die Gewissheit über die eigene Rolle und Identität.

Heisigs Arbeiten in Mischtechnik – zwölf davon sind hier ausgestellt – verdichten diese Lese eindrücke zu visuellen Konstellationen. In Blättern wie Kellergang oder Zielperson verbinden sich Anspielungen auf Überwachung und Gewalt mit einer diffusen, bisweilen albtraumhaften Bildwelt. Wie in Hilbigs Texten verwandeln sich scheinbar gewöhnliche Situationen in unbehagliche Szenarien des Abgründigen und Ungewissen. Das vielfach dominierende Grau verstärkt diese Atmosphäre und korrespondiert mit den moralischen und psychischen Grauzonen, in denen Hilbigs Figuren agieren. Auch grotesker Humor und satirische Zuspitzung kennzeichnen Heisigs künstlerischen Zugang zu Hilbigs Werk.

Das Blatt Heizen überführt die körperliche Härte von Hilbigs Tätigkeit im Kesselhaus in eine existenzielle, an ein Inferno erinnernde Vision. Ein weiteres Blatt porträtiert den Schriftsteller. An der Hörstation ist Hilbig mit seiner Stimme präsent und liest eigene Texte.

Heisigs Selbstbildnis Nachtwächter (2015–2025) fungiert dazu als eigenständiges Gegenüber: Die skelettartige Gestalt an der Seite des Künstlers verbindet dessen Rolle als Beobachter mit Erinnerung, Geschichte, Vergänglichkeit und Tod.

Kapitel 3: Zwischen Ost und West – Frankfurt als öffentlicher Resonanzraum

Als Wolfgang Hilbig im November 1985 mit einem vorerst auf ein Jahr befristeten Visum in die Bundesrepublik ausreiste, begann für ihn ein neuer Lebensabschnitt. Vorausgegangen war die Zusage eines Stipendiums des in Darmstadt ansässigen Deutschen Literaturfonds. Anfangs lebte er in Hanau, später an wechselnden Orten. Literarisch war der Westen für ihn jedoch längst präsent: 1977 stellte der Hessische Rundfunk Gedichte Hilbigs vor; im Anschluss nahm der S. Fischer Verlag Kontakt auf. 1979 erschien dort sein erster Gedichtband abwesenheit. Eine Buchveröffentlichung in der DDR blieb ihm zunächst verwehrt – erst 1983 erschien mit STIMME STIMME bei Reclam Leipzig Hilbigs erstes und einziges Buch in der DDR. Im selben Jahr erhielt Hilbig den Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau. Ein in der Ausstellung gezeigter Ausschnitt des hr-Bücherreports vom 12. Januar 1984 dokumentiert diese frühe westdeutsche Rezeption.

Mit dem Wechsel in die Bundesrepublik erweiterten sich Hilbigs Publikationsmöglichkeiten; ein einfaches Ankommen bedeutete dies jedoch nicht. Heimatlosigkeit, Entfremdung und die prekäre Existenz als Schriftsteller zwischen Ost und West blieben zentrale Themen seines Werks, etwa in dem Roman Das Provisorium (2000).

Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet stellten wichtige Bezugspunkte seiner literarischen Laufbahn dar. Im Sommersemester 1995 hielt Hilbig an der Goethe-Universität seine Poetikvorlesungen Abriß der Kritik. 2001/02 war er Stadtschreiber von Bergen-Enkheim. Verlag, Rundfunk und Universität boten seinem Werk hier unterschiedliche Foren. Seine Herkunftserfahrungen blieben dabei wirksam und verbanden sich mit Fragen von Erinnerung, Identität und künstlerischer Existenz.

Johannes Heisigs Gemälde Mach dir ein Bild! (2015) setzt einen eigenständigen Akzent: Verschiedene Bild- und Wahrnehmungsebenen greifen darin ineinander und machen den Titel zur Aufforderung.

Epilog: Gegenwärtige Reflexionen

Mit der 2026 entstandenen und hier erstmals präsentierten Werkserie wendet sich Johannes Heisig erneut dem Schreiben Wolfgang Hilbigs zu. Ausgangspunkt der elf Blätter sind Gedichte und Prosatexte, deren sprachliche Intensität und Bildlichkeit Heisig in dichte, malerische Arbeiten überführt. Verschiedene Zeichen- und Malmittel, Überlagerungen – teils als Collageelemente – sowie wieder freigelegte Schichten lassen Zeichnung und Malerei ineinander übergehen. Zurückgenommene, düstere Grau-, Braun- und Schwarztöne dominieren; punktuell brechen kräftige Farben oder goldene Höhungen hervor. Wie zuvor verweist die von Ruß, Asche und Kohle geprägte Farbwelt zugleich auf Hilbigs Herkunft und seine Arbeit als Heizer. Gestische Setzungen und Tropfspuren treffen auf Kratzungen und vielfach überarbeitete Partien – die aufgewühlten Oberflächen machen die Dynamik des Arbeitsprozesses sichtbar.

Zwei Blätter sind als weitere Porträts Wolfgang Hilbigs lesbar: einst war ich älter und laßt mich in kalte fremden gehen. Der Werktitel einst war ich älter – zu gleich Titel der Ausstellung – stammt aus dem Gedicht das meer in sachsen. Dieses verbindet persönliche Erinnerung mit der im Braunkohlerevier eingeschriebenen Vergangenheit. Auch Increatum (ich schrieb, ich schrieb) nimmt den Schriftsteller in den Blick – als nach Worten Suchenden, dem sich diese nur schemenhaft zeigen. episode knüpft an Heizen an und setzt der Dunkelheit des Zyklus einen ungewöhnlichen Farbfuror entgegen. käfig der unsterblichkeit verarbeitet Hilbigs Text war das gedicht der rabe und dessen Bezug auf Edgar Allan Poe. Vier Blätter widmen sich der Erzählung Alte Abdeckerei, deren von Industrie, Verfall und Erinnerung geprägte Szenerien Heisig aufnimmt und verwandelt.

Im Offenen Atelier und in der Bibliothek sind Sie ein geladen, den Dialog fortzuführen – beim Lesen, Zeichnen, Vergleichen und Entdecken eigener Verbindungen zwischen Wort und Bild.

Biografie: Johannes Heisig

1953 Am 23. April in Leipzig als Sohn des Malers Bernhard Heisig und der Kunsthandwerkerin Brunhild Eisler geboren.
1971–1973 Biologiestudium an der Karl-Marx-Universität Leipzig.
1973–1977 Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Arno Rink, Gerhard Kurt Müller und Dietrich Burger; Diplomabschluss.
1974–1979 Mitarbeit in der Werkstatt seines Vaters Bernhard Heisig.
1978–1980 Meisterschüler bei Gerhard Kettner an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Wandbildauftrag im Haus des Rates des Bezirkes Leipzig.
1979–1980 Stipendium an der F+F Schule für experimentelle Gestaltung Zürich.
1980–1991 Lehrtätigkeit an der Hochschule für Bildende Künste Dresden.
1983–1989 Mitglied des Zentralvorstands des Verbandes Bildender Künstler der DDR (VBK-DDR); ab 1984  Leiter der zentralen Arbeitsgemeinschaft Junge Künstler, ab 1987 Mitglied des Präsidiums.
1988 Professur und Lehrstuhl für Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste Dresden.
1989–1991 Rektor der Hochschule für Bildende Künste Dresden.
1990 Gründungsmitglied des Neuen Sächsischen Kunstvereins.
1991 Niederlegung des Lehramts; fortan frei schaffend in Dresden und Berlin tätig. Gastseminare an deutschen Hochschulen und in Trondheim (Norwegen).
1992 Gründungsmitglied des Fördervereins für die Europäische Werkstatt für Kunst und Kultur Hellerau e. V.
1995 Beginn der künstlerischen Auseinandersetzung mit Wolfgang Hilbigs Werk; erste Folge von acht Kohlezeichnungen.
2000 Umzug nach Berlin.
2003–2004 Professor für Malerei an der Universität Dortmund. Auftrag des German Historical Institute in Washington, D.C., für ein Bildnis Willy Brandts.
2007–2008 Bildfolge Es war einmal in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße; Ausstellung im Abgeordnetenhaus von Berlin.
2012–2013 Wanderausstellung zum 60. Geburtstag u. a. in Frankfurt am Main, Dresden, Eisenach, Oldenburg und Berlin.
2015 Umzug von Berlin nach Teetz, einem Ortsteil von Kyritz in Brandenburg.
2017–2019 Museale Einzelausstellung Klimawechsel in Aschaffenburg, Pritzwalk, Cottbus und Hagen.
2020 Brandenburgischer Kunstpreis in der Kategorie Malerei.
2020–2021 Werkfolge Bilder vom Erzählen – Arbeiten zu Wolfgang Hilbig.
2026 Neue Werkserie zu Wolfgang Hilbig. Johannes Heisig lebt und arbeitet in Teetz.

 

Biografie: Wolfgang Hilbig

1941 Am 31. August in Meuselwitz ( Ostthüringen) geboren. Aufgewachsen bei seiner Mutter Marianne Hilbig (geb. Startek; Verkäuferin und Lohnbürosachbearbeiterin) und den Großeltern mütterlicherseits.
1948–1956 Besuch der Volksschule; Achtklassenabschluss. Erste Schreibversuche.
1956–1959 Facharbeiterausbildung zum Bohrwerkdreher in Meuselwitz.
1959–1969 Horizontalbohrer, Maschinenschlosser und Werkzeugmacher; verschiedene Gelegenheitsarbeiten.
1964–1968 Teilnahme an den Zirkeln schreibender Arbeiter in Altenburg und Leipzig; erste vereinzelte Gedichtveröffentlichungen. Erfolglose Verlagssuche in der DDR und der BRD; vermutlich um 1965 Vernichtung eines Großteils der Manuskripte. Ab 1968 von der Staatssicherheit als „feindlich-negativer Nachwuchsschriftsteller“ eingestuft.
1969–1979 Heizer und Kesselwärter in der Maschinenfabrik Meuselwitz; Aushilfstätigkeiten. 1974–1975 Qualifizierung zum Facharbeiter für Wärmetechnik.
1977–1978 Verstärkte Überwachung durch die Staatssicherheit. Erste Kontakte zum westdeutschen Literaturbetrieb, darunter zu Karl Corino und zum S. Fischer Verlag. 1978 zweimonatige Untersuchungshaft.
1979 Umzug nach Ost-Berlin. Erster Lyrikband abwesenheit im S. Fischer Verlag. Geldstrafe von 2000 Mark wegen „Verstoßes gegen das Zoll- und Devisengesetz“. Veröffentlichung von acht Gedichten in Sinn und Form. Ab November freischaffender Schriftsteller.
1981 Offener Brief an Klaus Höpcke, den stellvertretenden Minister für Kultur und Leiter der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel, aus Protest gegen Zensur und Kriminalisierung von DDR-Schriftstellern.
1982 Umzug nach Leipzig. Erster Erzählungsband Unterm Neomond im S. Fischer Verlag.
1983 Veröffentlichung von STIMME STIMME, Hilbigs erstem und einzigem Buch in der DDR, im Reclam Verlag Leipzig. Brüder Grimm-Preis der Stadt Hanau.
1985 Einjähriges Stipendium des Deutschen Literaturfonds (Darmstadt). Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland mit einem zunächst einjährigen Visum; Aufenthalt in Hanau.
1988 Verlängerung des DDR-Dienstvisums bis 1990. Stipendium im Künstlerhaus Edenkoben (Rheinland-Pfalz) und Gastdozentur an der University of Kentucky.
1989 Erster Roman Eine Übertragung. Ingeborg Bachmann-Preis. Umzug nach Edenkoben.
1993 Roman Ich. Brandenburgischer Literaturpreis.
1994 Umzug nach Berlin-Prenzlauer Berg.
1995 Frankfurter Poetikvorlesungen Abriß der Kritik.
1996 Stadtschreiber in Rheinsberg (Brandenburg).
2000 Roman Das Provisorium.
2001–2002 Stadtschreiber von Frankfurt-Bergen Enkheim.
2002 Georg-Büchner-Preis und Peter-Huchel-Preis.
2007 Erwin-Strittmatter-Preis des Landes Brandenburg. Tod am 2. Juni in Berlin

 

 

 

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